| Das Paradies: Verbesserte Neuauflage |
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Das Paradies: Verbesserte Neuauflage
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Hier eine kurze Schilderung der Sache: Es war ein spärlich mit einzelnen Baumgruppen ausgestattetes Grasland, und es lag zwischen den Gletschern der Alpen und jenen der Pyrenäen. Pferde, Kühe, Mammuts und andere große Grasfresser weideten dort in unübersehbar großer Zahl und waren mühelos jagdbar. Um dies noch paradiesischer zu gestalten, gab es dort Schakale, welche die eßbaren Grasfresser geradezu in den Mund der menschlichen Paradiesbewohner trieben. Das Menü war jedoch nicht auf Innereien von großen Wiederkäuern beschränkt, sondern Beeren und Pilze, gelegentlich Austern und Schnecken, vervollständigten die Gerichte. Nach solch reichlichen Gelagen versammelten sich die Leute in warmen und gemütlichen Höhlen um ein flackerndes Feuer, deren Flammen großartige Wandgemälde beleuchteten, und lauschten dem Gesang mythenerzählender Barden. Diese "Son-et-lu-mieére"-Festivale währten Tausende von Jahren, bis eine ökologische Katastrophe über die Urmenschheit einbrach.
Es wurde wärmer, die Gletscher schrumpften, und Bäume überwucherten die paradiesische Landschaft. Der Wald, dieser Todfeind der Menschheit, vertrieb die großen Grasfresser, und die übriggebliebenen kleinen (wie etwa Rehe und andere Ziegen) waren zwischen den Bäumen schwer jagdbar. Um nicht auszusterben, sahen sich die Leute gezwungen, an Stelle von Grasfressern selbst Gras zu essen. So etwa mag es, nach unserem gegenwärtigen besseren Wissen, mit dem Paradies ausgesehen haben.
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Vilém Flusser |
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Wenn euer Verstand spricht, vergesst ihr euer Herz.
Und wenn euer Herz spricht, vergesst ihr alles."
- Der Dieb von Bagdad
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